Read Main Street: Roman (Manesse Bibliothek, Band 6) by Sinclair Lewis Online

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Ein Schl sselroman zum Verst ndnis der modernen USA, ihrer tiefen Ambivalenz und inneren ZerrissenheitCarol Kennicott, eine junge Frau aus Neuengland, hat es in ein Provinznest verschlagen, deren Einwohner, so merkt sie rasch, v llig anders ticken als sie Um keinen Preis wollen sie von Vorurteilen abr cken und mit neuen Ideen begl ckt werden Im Gegenteil Wer an ihren tief verwurzelten berzeugungen r ttelt, kann sein blaues Wunder erleben So entspinnt sich ein Kampf zwischen zwei kontr ren Weltbildern urbane Liberalit t vs rustikales Hinterw ldlertum Dass Letzteres nicht so einfach zu berwinden ist, sondern b se zur ckschl gt, wenn es sich bedroht f hlt, l sst sich an der USA der Gegenwart ebenso studieren wie an diesem turbulenten, unterhaltsamen Klassiker....

Title : Main Street: Roman (Manesse Bibliothek, Band 6)
Author :
Rating :
ISBN : 3717524542
ISBN13 : 978-3717524540
Format Type : E-Book
Language : Deutsch
Publisher : Manesse Verlag 23 April 2018
Number of Pages : 189 Pages
File Size : 967 KB
Status : Available For Download
Last checked : 21 Minutes ago!

Main Street: Roman (Manesse Bibliothek, Band 6) Reviews

  • Volker M.
    2019-04-07 10:58

    Minneapolis, 1910. Carol Milford ist glücklich. Sie hat gerade ihren Collegeabschluss gemacht und weiß, was sie im Leben erreichen will. Sie möchte die Kultur ins kulturlose Hinterland bringen, dort wo die Menschen in rückständigen Kleinstädten ein dumpfes Dasein zwischen Arbeit, Familie und Kirche fristen. Sie wird das Licht der Aufklärung zu jenen tragen, denen es nach Literatur und Kunst dürstet, damit sie die Schönheit der Welt erkennen lernen. Da kommt ihr der attraktive, starke Dr. Kennicott gerade Recht, der von seinem entzückenden kleinen Städtchen Gopher Prairie im Nordwesten, nahe der Grenze zu Kanada schwärmt, einer kleinstädtischen Idylle in herrlicher Landschaft, mit großartigen, fleißigen und umtriebigen Leuten, die sich trotz der Abgeschiedenheit sehr für Fortschritt und Kultur engagieren. Carol Milford ergreift ihre Gelegenheit und heiratet Dr. Kennicott, zusammen mit Gopher Prairie, das sie bis zu dem Zeitpunkt nur aus den Erzählungen ihres Mannes kennt. Ein Fehler, wie sich herausstellt, denn die Perle im Norden entpuppt sich als rückständiges Kaff mit dreckigen Straßen, einer maroden Schule und einem ebenso maroden Rathaus, mit engstirnigen, ausländerfeindlichen und bigotten Einwohnern, die die neue Mrs. Kennicott zwar in ihre Kreise aufnehmen, deren fortschrittliche Ansichten aber weder teilen noch akzeptieren. Das "Ja, ich bin ganz deiner Meinung, aber..." wird zur stehenden Redewendung, welches Projekt Carol auch immer in Angriff nimmt. Gegen den kollektiven geistigen Stillstand hat sie keine Chance, sondern isoliert sich im Lauf der Zeit immer mehr, bis sie schon fast einen Verfolgungswahn entwickelt. Dabei erkennt sie weder, dass es ihr vor allem an Ausdauer mangelt, denn sobald ein Projekt nicht exakt die Richtung nimmt, die ihr vorschwebt, verliert sie schlagartig jedes Interesse und andererseits hat sie kein Gespür für das Machbare. Ihre hochfliegenden Pläne wären oft auch in größeren Städten schwer umsetzbar, geschweige denn in einem 1500-Seelen-Dorf. Carol fällt in eine tiefe Krise, aus der sie nur eine radikale Veränderung herausholen kann.Sinclair Lewis beschreibt in "Mainstreet" sehr farbig und mit viel Humor die Kräfte, die in den USA bis heute die Gesellschaft lähmen und den Nährboden für geistige Unbeweglichkeit, Intoleranz und Selbstbetrug bilden. Alle Trumpschen Eigenschaften sind in den Einwohnern von Gopher Prairie versammelt: Da gibt es die boshafte Witwe Bogart, die sich gottesfürchtig gibt, aber ihre Lügen über jeden Unschuldigen auskippt und obwohl jedermann weiß, dass es Lügen sind, folgt man doch ihrer Forderung nach harten Sanktionen. Da gibt es den sich volkstümlich gebenden, proletenhaft lauten Erfolgsmenschen Brenaghan, hinter dessen weltmännischer Attitüde ein grunzdoofer Kopf steckt, der, außer großspurige Geschichten zu erzählen, wenig zur Gemeinschaft beiträgt. Oder nehmen wir Carols Freundinnen, die ihre Allianzen schmieden, wie es ihnen gerade in den Kram passt. Bei näherem Hinsehen entpuppt sich Gopher Prairie immer mehr als ein Schlachtfeld des Tratschs und Klatschs, auf dem es so manche unschuldige Opfer zu beklagen gibt.Der rote Faden sind Carols vergebliche Versuche, etwas Kultur ins Hinterland zu bringen, die aus den unterschiedlichsten Gründen fehlschlagen, Farbe gibt der Geschichte aber die unendlich vielen Details, die dem heutigen Leser ein sehr realistisches Bild über die tatsächlichen materiellen und sozialen Lebensumstände im Outback der Zeit zwischen 1910 und 1920 geben. Erstaunlich ist besonders der technologische Fortschritt, der selbst einfachen Handwerkern ein Automobil oder ein Telefon verschafft und die bemerkenswert große Auswahl an internationalen Handelswaren, die in den Läden verfügbar sind. Gopher Prairie ist keineswegs abgekoppelt von der Welt, nur hat sich der geistige Horizont nicht im gleichen Ausmaß entwickelt wie der merkantile. Der innere Antrieb funktioniert nur, wenn es um das Vermehren von Wohlstand geht, intellektuell herrscht dagegen völlige Windstille. Beispielhaft steht dafür der wirtschaftliche Aufstieg Dr. Kennicotts, der sich nach einigen Jahren zwar eine Reise nach Florida in den besten Luxushotels leisten kann, aber immer noch nicht weiß, wer Walt Whitman war."Mainstreet" ist ein Sittengemälde, geschrieben in der Zeit, in der es spielt, aber es sagt sehr viel aus über das Amerika unserer Tage. Trump ist nur ein Hinterwäldler, den Hinterwäldler ins Weiße Haus gewählt haben.

  • sommerlese
    2019-04-14 10:37

    Sinclair Lewis' romantische, witzige, bissige Satire um eine junge Frau, die eine Kleinstadt im Mittelwesten aufrütteln will, gehört zum festen Bestand der modernen amerikanischen Literatur. Der Roman erscheint im Manesse Verlag.In "Main Street" geht es um die Beziehungen von Bürgern in der amerikanischen Kleinstadt Gopher Prairie in Minnesota.Anmerkung: Gophers sind in Nord- und Mittelamerika beheimatete Nagetiere (Erdhörnchen), die fast ihr ganzes Leben unter der Erde verbringen.Dieser Roman spielt Anfang des 20. Jahrhunderts, als gerade die ersten Autos aufkamen und Flugzeuge noch der Zukunft angehörten. Die Kleinstadtbewohner waren Bauern mit eurpopäischen Wurzeln, sie arbeiteten hart, lebten bescheiden, besuchten ihre Kirchen und pflegten kleinbürgerliche Geselligkeit.Lewis ist ein hervorragender Schriftsteller, er beobachtet seine Figuren genau und stellt das menschliche Verhalten zwar reichlich detailverliebt und ausufernd, aber auch treffend dar. Es geht um die kleingeistigen Ideale des amerikanischen Mittelstands und man beobachtet auch eine beginnende Entwicklung der Emanzipation der Frau. So wie es immer Kleinbürgertum gegeben hat, wirkt dieser Roman schon fast wie eine Satire. Und "Main Street" erscheint damit heute so aktuell wie damals."Sie aßen ihre Sandwiches an einer Prärieaue: hohes Riedgras, das aus klarem Wasser emporwuchs, moosiger Moorgrund, rot geflügelte Stärlinge, goldgrüne Schaumspritzer auf den Tümpeln." Zitat Seite 129Der Roman erzählt die Geschichte von Carol Kennicott, einer jungen Frau mit Idealen, sie möchte etwas in ihrem Leben bewegen. Als sie 1910 einen Landarzt heiratet und mit ihm aufs Land zieht, nach Gopher Prairie in Minnesota, wird schnell deutlich, dass Carol sich hier inmitten der kleingeistigen und spießigen Bewohner nicht wohl fühlt. Die Menschen sehen in allen Zugezogenen nur Außenseiter, lästern über alles Neue und können kaum Toleranz aufbringen. Doch Carol lässt sich so schnell nicht entmutigen, sie ist engagiert genug und versucht immer wieder, durch Kulturangebote wie Tanzabende, Theater und Bibliothek frischen Wind in das öde Landleben einziehen zu lassen. Immer wieder scheitert sie, wird belächelt und bekommt nur schräge Blicke der anderen Bewohner zugeworfen. Weltgewandtheit kann man nicht vermitteln, es muss auch gewollt sein. Das gilt auch für ihren Ehemann, der anfangs noch von ihrer sprühenden Lebendigkeit begeistert war und sich auf dem Land wieder in einen spießigen Dörfler verwandelt, für den Frauen nur für Haushalt und Kinder zuständig sind.Es war ermüdend, wie häufig Carols Aufmüpfigkeit für Veränderungen ständig gegen eine Wand von Widerstand von Seiten der provinziellen Hinterwäldler lief. Es war ein Auf und Ab von Anpassung und Aufstand gegen die Engstirnigkeit der Kleinstädter. Daneben sorgten einige schöne landschaftliche Beschreibungen für etwas Abwechslung, doch weiterführende Handlungen konnte ich nicht erkennen. Insofern musste ich mich ziemlich durch das Buch mühen.Unterschiedliche Charaktere sind reichlich vorhanden, allesamt mehr oder weniger austauschbar.Vom Schreibstil her lässt sich der Roman sehr gut lesen, insgesamt ist er allerdings viel zu ausgeschmückt und weitschweifig, wenn man bedenkt, das einige Handlungen immer nach dem gleichen Schema ablaufen. Letztendlich ändert sich nicht viel an der Ausgangssituation in Gopher Prairie.Als der Roman 1920 erschien war er wohl ein "reaktionäres" Buch, heutzutage ist das nicht unbedingt nachvollziehbar. Für mich erscheint dieses Buch als eine Zustandsbeschreibung vom amerikanischen Mittelstand, den man auch heute noch in provinzieller Lebensart vorfindet.Allerdings kann man gesellschaftskritische Romane auch anders darstellen, dafür hätte dieses Buch den Nobelpreis für Literatur vielleicht nach heutiger Ansicht nicht unbedingt verdient. Doch darüber möchte ich mit keine Kritik anmaßen, die Zeiten für kritische Literatur haben sich jedoch gewaltig geändert, was man von den dargestellten urbanen Kleinbürgern nicht unbedingt behaupten kann. Die gibt es noch immer.Dieses Buch wirkt melancholisch und trägt durchgängig die Hoffnung auf Veränderung in sich. Die Protagonistin Carol ist kritisch, hinterfragt vieles, möchte Dinge verändern, darin ist sie schon fast fanatisch. Sie ist gegen das Spießertum, doch sie lebt ein ebensolches Leben. Es geht ihr um den Wert des Lebens. Doch sie kämpft gegen Windmühlenflügel an, ihre Bemühungen scheitern von Mal zu Mal.Ein lesenswertes Buch, bei dem man nicht nur viel Lesezeit und Geduld aufbringen muss, sondern sich auch mit dem zeitlichen Hintergrund befassen sollte, um es richtig zu verstehen. Auf den letzten 50 Seiten des Buches gibt es 253 Anmerkungen zum besseren Leseverständnis und ein erhellendes Nachwort von Heinrich Steinfest.Es geht um Emanzipation, den Wunsch nach Veränderungen, nach Modernisierung von Gesellschaft und Lebensqualität.Ein melancholisch wirkender Roman, der den Zeitgeist der 1920er Jahre wiedergibt und trotzdem heute noch aktuell erscheint. Insgesamt wirkt die Handlung allerdings recht langatmig, denn sämtliche Hoffnung auf Veränderungen zerplatzen wie Seifenblasen. Dennoch lesenswert und besonders.

  • Jens Triebel
    2019-04-11 11:54

    Ich kann mich meinen Vorrednern nur anschließen und das Buch jedem Literaturfreund wärmstens empfehlen.Vor "Main Street" hatte ich vor einigen Jahren mit großem Vergnügen bereits "Dr. Med Arrowsmith" vom gleichen Autor gelesen.Es ist einfach eine Freude, diesem Schriftsteller durch seine Phantasiewelten zu folgen.Für mich gehört er neben Hemmingway, Steinbeck und Roth zu den besten amerikanischen Romanciers des 20 ten Jahrhunderts.Völlig zu Recht mit dem Literaturnobelpreis geehrt.Ich habe das Buch trotz Vollzeitjob in 3 Tagen durchgelesen und konnte es kaum aus der Hand legen.Die Art und Weise wie Lewis seine Protagonistin beschreibt, ihr Eintreten für Bildung und erfülltes ,gesellschaftlichen Lebens nötigt mir viel Respekt und große Bewunderung ab.Vielen danke für ein unvergessliches Leseerlebniss!